Alpencross 2010

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Video und Reisebericht

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Zielsetzung

Als leidenschaftlicher Mountainbiker habe ich mich entschlossen, in 2010 endlich meine erste Alpenüberquerung mit dem Mountainbike zu machen. Zusammen mit einem Freund ist die Idee in einer Zeit entstanden, in der wir beide weg wollten von dem aktuellen Mist, den wir täglich im Alltag erleben mussten. Was gibt es da Besseres, als sich in ein Hobby zu stürzen, sich neue motivierende private Ziele zu setzen und sich damit etwas zu schaffen, auf das man sich freuen kann? Leider konnte mein Partner dann kurzfristig doch nicht mitfahren, also machte ich mich nach einigen Zweifeln alleine auf die Reise. Ganz nach dem Motto: Lieber alleine fahren, als gar nicht!

Da sich meine Erfahrung mit Alpenüberquerungen per Mountainbike in Grenzen hielt und ich den Anspruch hatte, die Route unbedingt selbst auszuarbeiten, war die Vorbereitung und Planung eine Herausforderung. Ich war schon seit meiner Kindheit regelmäßig im Gebirge und verfüge über eine entsprechende alpine Erfahrung, ansonsten hätte ich das niemals hinbekommen. Meine Trittsicherheit ist erstklassig, und ich bewege mich schon seit vielen vielen Jahren mit dem (ungefederten) Mountainbike auf schwierigen Gebirgstrails. Ich konnte mir also einiges zumuten, besonders weil ich seit Kurzem über ein erstklassiges Freeride-Fully verfügte. Einzig meine Ausdauer ließ noch zu wünschen übrig.

Jeder wusste, dass Alpencross nicht gleich Alpencross ist. Man kann ohne große Vorbereitung über den Brenner radeln, man kann mit dem Trekkingrad die Via Claudia Augusta entlangfahren, für das Mountainbike Routen mit unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden wählen, oder gar mit Begleitfahrzeug fahren. Jeder muss seine Transalp so planen, wie es ihm am meisten Spaß macht. Meine Ziele waren:

  • Fortbewegung nur per Rad, nicht mit anderen Verkehrsmitteln.
  • Landschaftlich beeindruckende Hochgebirgs-Route.
  • Fahrtechnisch anspruchsvolle Route mit vielen Singletrails.
  • Vermeidung von Asphaltstrecken (vor allem bergab).
  • Flexibilität und entspanntes Biken, ohne sich mit anderen messen zu müssen.
  • Dauer: ca. 7 Tage.

Besonders wichtig war mir, statt auf endlosen Schotterwegen und Straßen den Berg hinunterzuheizen, Singletrails abzufahren, die viel Fahrtechnik und Geschick erfordern. Ich wollte mich auf die hochalpine Natur und Bergwelt konzentrieren, unbeeinflusst von Sportlern, die es eilig haben oder sich etwas beweisen müssen. Mein Routenverlauf würde entsprechend flexibel und individuell bleiben. Deshalb hatte ich keine Übernachtungen reserviert. Außerdem hatte ich mir in den Kopf gesetzt, im Freien zu übernachten. Diese zusätzliche Erschwernis konnte ich vorab noch gar nicht richtig einschätzen.

Die Ausrüstung sollte für eine Transalp gut durchdacht sein, damit man nicht unnötigen Ballast mit über die Berge schleppt, aber trotzdem alle wichtigen Dinge dabei hat. In meinem Fall musste ich zusätzlich Schlafsack, Isomatte und Regenschutz für die Nacht mitnehmen. Auch war es angeraten, haltbare Nahrungsmittelvorräte dabeizuhaben, damit ich im Ernstfall morgens nicht mit leerem Magen losfahren musste. Ein entsprechendes Müsliriegelrezept habe ich mir dazu ausgedacht und vorher erprobt. Dies alles macht den Rucksack deutlich schwerer. Wiegt der Rucksack deutlich mehr als 6 Kilogramm, wird das den Spaß beim Mountainbiken spürbar mindern. Ich stand also vor der Herausforderung, mich beim übrigen Gepäck noch stärker einzuschränken.

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Gepäck für den Alpencross 2010

Für eine Trail-Transalp braucht man natürlich auch das passende Bike. Für die geplante Route musste ich ein vollgefedertes Bike fahren, wenn ich nicht einen großen Teil der Trails abwärts auch schieben wollte. Ich erwarb also im Herbst 2009 mit dem Lapierre Zesty 514 ein entsprechend ausgestattetes All-Mountain-Bike als Saisonmodell.

Die Route

Eine der schwierigsten Aufgaben war die Planung einer ansprechenden Route, die auf meine Fahrtechnik und körperliche Verfassung zugeschnitten ist. Ein paar Anregungen habe ich mir aus Transalp-Guides und dem Internet geholt, ansonsten habe ich meine Route komplett selbst geplant und ausgearbeitet. Dieses Unterfangen stellte sich als sehr zeitaufwändig heraus. Bereits im Herbst 2009 begann ich mit der Grobplanung. Als Ziel war der Gardasee anvisiert, weil es dort sehr schöne Trails gibt, die einen Alpencross perfekt abrunden können. Als Startpunkt wollte ich Füssen wählen, unter anderem auch, weil ich noch nie das Schloss Neuschwanstein gesehen hatte. Für den Alpenhauptkamm hatte ich ein besonderes Schmankerl im Auge: Das Niederjoch.

Um die Strecke im Detail festlegen zu können, deckte ich mich mit entsprechendem Kartenmaterial ein. Für Deutschland, Österreich und Südtirol verwendete ich Kompass-Karten im Maßstab von 1:25.000. Trentino war ein Problem, weil es offenbar keine vernünftigen GPS-tauglichen Karten für die Region gab. Ich wählte eine Kompass-Karte im Maßstab 1:50.000, die sich aber später als recht ungenau erweisen sollte. Plant man seinen Alpencross selbst, sollte man entsprechende alpine Erfahrung mitbringen, um die Karten richtig interpretieren zu können. Erfahrungsberichte aus dem Internet können hilfreich sein, aufgrund der sehr unterschiedlichen Sichtweisen und Voraussetzungen aber auch manchmal irreführend.

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Hinweis: 2015 bin ich die Route erneut gefahren, jedoch habe ich sie dafür in einigen Details etwas verbessert.

Die Route beginnt in Hohenschwangau auf rund 800 Hm, vorbei am Schloss Neuschwanstein. Sie führt über den 1425 m hohen Sattel des Ochesenälpele und dann hinunter zum Plansee. Durch das Tal kommt man über Heiterwang, Bichlbach, Lähn, Lermoos und Ehrwald, dann Richtung Westen zum Blindsee.

Von Fernstein folgt man dem Gurgltal nach Tarrenz. Nächster Halt Bernnbichl, dann parallel zur Tiroler Bundesstraße bis Mairhof. Nun zweigt man ab über Sautens ins Ötztal und fährt parallel zur stark befahrenen Bundesstraße über Oetz, Habichen, Tumpen, Unterlängenfeld, und Huben nach Süden.

In Sölden nimmt man am besten die Gondel hinauf nach Hochsölden. Von dort aus steigt man auf zur Rotkogeljochhütte. Ein Weg führt von hier hinunter zum Ötztaler Gletscher. Man mündet in die Ötztaler Gletscherstraße und folgt dieser bis hoch auf 2750 Hm, und dann durch den Gletschertunnel bis zum Tiefenbachferner. Ich befinde mich nun auf dem Alpenhauptkamm! Hier geht ein anspruchsvoller Trail hinunter nach Vent.

Gleich nach Vent geht es wieder bergauf am Niederjochbach entlang bis zur Martin-Busch-Hütte und schließlich zur Similaunhütte, mit über 3000 Hm der höchste Punkt der Tour. Dies ist der schwierigste Teil der Transalp. Ein schwieriger Pfad mündet bald in einen anspruchsvollen Trail, der zum Lago di Vernago führt. Der Alpenhauptkamm ist überwunden! Es geht durch das Schnalstal hinunter bis Juval, wo Reinhold Messner in seinem Schlösschen residiert. Bis Kastelbell fährt man parallel zur Bundesstraße, bevor es über Tarsch (700 Hm) wieder steil bergauf geht.

Auf 2520 Hm erreicht man das Tarscher Joch. Danach führt ein Trail bergab ins Tal bis St. Moritz, von wo aus man in das Ultental abzweigt und einem leicht abfallenden Weg bis St. Gertraud folgt. Nun gilt es, das Rabbijoch auf knapp 2500 Hm zu bezwingen. Der folgende Downhill Trail mündet in Piazzola (Rabbi). Die Route schlängelt sich weiter entlang der Bundesstraße nach Osten Richtung Malé, und dann Richtung Südwesten.

Von Dimaro aus geht es auf fahrtechnisch unspektakulärer Route südwärts durch das Meledrio Tal bis Madonna di Campiglio. Man kann hier dem Dolomiti di Brenta Bike Trail bis Tione folgen.

Der Abzweig in das Val Guidicarie Inferiore bei Tione bringt mich bis Cimego. Eine steiler Weg zweigt ab in die Berge und führt über den wenig bekannten Passo di Rango auf ca. 1400 Hm, von wo aus es hinab nach Tiarno di Sopra geht (750 Hm). Der nächste Pass folgt sogleich: Eine steile asphaltierte Passstraße endet auf den Monte Tremalzo auf 1660 Metern Höhe. Die letzte Tour ist Genuss pur. Ein perfekter Downhill-Trail bringt mich über Pregasina bis zum Gardasee.

Gesamtstrecke: 395 km
Gesamtanstieg: 14.100 Hm

Bei sieben Tagesetappen erwarten mich also durchschnittlich etwa 2000 Hm und 55 km pro Etappe.

Die Route kann als anspruchsvoll und schwierig bezeichnet werden. Sie enthält ein paar knackige Gipfel, die es zu überwinden gilt. Als größte Herausforderungen kann man sicher das Niederjoch (Similaun), Tarscher Joch und Rabbijoch bezeichnen. Besonders hier ist mit Schiebe- und Tragestrecken zu rechnen.

Rückreise

Die Rückreise sollte mit der Bahn erfolgen. Seit 2010 ist die direkte Rückfahrt von Rovereto (Gardasee) nach München mit Fahrradmitnahme möglich. So zum Beispiel mit dem EC86 oder EC 88. Da es im EC nur begrenzt Stellplätze für Fahrräder gibt (in 2010 waren es nur 2 Stellplätze pro Zug!), ist während der Alpencross-Hochsaison (Anfang Juli bis September) eine Reservierung für die Fahrradmitnahme mindestens 2 Wochen im Voraus dringend empfohlen.

Wanderkarten

Hier eine Liste der Wanderkarten, die man für die Route benötigt:

  • 4 Füssen, Außerfern 1:50.000
    Art.-Nr. 06 01900400
    ISBN 978-3-85491-006-0
  • 35 Imst, Telfs, Kühtai, Mieminger Kette 1:50.000
    Art.-Nr. 06 01903500
    ISBN 978-3-85491-039-8
  • 43 Ötztaler Alpen, Ötztal, Pitztal 1:50.000
    Art.-Nr. 06 01904300
    ISBN 978-3-85491-049-7
  • 52 Vinschgau/Val Venosta 1:50.000
    Art.-Nr. 06 01905200
    ISBN 978-3-85491-058-9
  • 072 Nationalpark Stilfser Joch/Parco Nazionale dello Stelvio 1:50.000
    Art.-Nr. 06 01900720
    ISBN 978-3-85491-391-7
  • 73 Dolomiti di Brenta 1:50.000
    Art.-Nr. 06 01907300
    ISBN 978-3-85491-082-4
  • 071 Alpi di Ledro, Valli Giudicarie 1:50.000
    Art.-Nr. 06 01900710
    ISBN 978-3-85491-560-7